Editionsprinzipien

Im Zuge von duerer.online werden ausgewählte Texte aus dem schriftlichen Nachlass bzw. Nachleben Albrecht Dürers für alle Interessierten aufbereitet. Eine Liste der Texte inkl. älterer digital verfügbare Editionen finden Sie hier. Um die Quellenschriften optimal zugänglich und inhaltlich verständlich zu machen, wird editorisch wie folgt verfahren:

Textgliederung

Die Projektmitarbeiter*innen zeichnen mit TEI-Mitteln sowohl visuelle Umbrüche der Quelle (Seiten, Spalten, Zeilen) als auch als solche erkennbare Kapitel und Abschnitte aus, wodurch eine Navigation durch das Textkorpus wahlweise gemäß der physischen Struktur des jeweiligen Textträgers oder nach editorisch identifizierten Sinneinheiten ermöglicht wird.

Textgestaltung

Die TEI-kodierten Texte können einerseits originalnah (weitgehend ohne editorische Anpassungen), andererseits in einer editorisch für die Lektüre aufbereiteten Textanzeige angezeigt werden. Die nachfolgend gelisteten editorischen Anpassungen gelten für die editorisch aufbereitete Textanzeige.
Der Fließtext wird ohne Zeilenumbrüche visualisiert.

Normalisierungen

Zusammen- und Getrenntschreibung werden nach den Regeln aktueller Rechtschreibung modernisiert.
Groß- und Kleinschreibung folgen grundsätzlich der Vorlage, wobei
a) Satz- und Versanfänge, Eigennamen, Orts- und Namensadjektive stets großgeschrieben werden.
b) Großbuchstaben im Wortinneren klein wiedergegeben werden.
Offensichtliche Schreib- und Druckfehler werden korrigiert.
Die Interpunktion wird an den heutigen Gebrauch angelehnt.
Damit darüber hinaus eine bequeme Lesbarkeit gewährleistet ist, werden
- verschiedene Allographe von Buchstaben, Ziffern und diakritischen Zeichen vereinheitlicht (z.B. 1, s)
- i, j, u, v, w nach modernem Lautwert aufgelöst (z.B. Fraw zu Frau)
- konventionelle Zeichen übernommen (z.B. &)
- hingegen Ligaturen, Kürzungen, Nasal-, Geminationsstriche aufgelöst.
Als spezieller Fall wird ÿ bzw. die Kombination von i und i longa
a) in lateinischen Passagen einheitlich als ii umgesetzt
b) in deutschen Textteilen nach modernem Lautwert mit Tendenz zur aktuellen Rechtschreibung angepasst
c) bei Namen nach normierter Version angegeben (z.B. bei Dürers Schwiegervater Hans Frey nach der Hauptansetzung in der GND).
Weitere Normalisierungen nach modernem Lautwert sind
- uu und vu zu w
- in lateinischen Passagen w zu vu (z.B. wlt zu vult).

Umgang mit visuellen Befunden und Textrevisionen in der Quelle

Visuelle Hervorhebungen, z.B. durch Unterstreichung, andere Textfarbe, Hochstellung u.Ä. werden ausgeblendet.
Textveränderungen durch Tilgung, Durchstreichung, Überschreibung etc. werden ausgeblendet.
Sind einem Quellentext spätere Korrekturen oder Ergänzungen beigefügt, können diese von den Nutzer*innen ausgeblendet werden.

Editorische Eingriffe

Fehler, z.B. durch mangelnde Lateinkenntnis des Schreibers, werden ggf. durch Bearbeiter*innen mit entsprechender Lateinkenntnis korrigiert.

Ergänzungen

Jahreszahlen, die nur mit der minderen Zahl angegeben sind, werden ergänzt, z.B. 26 aus Kontext erschlossen zu 1526.
Wenige Buchstaben oder einzelne Worte betreffende Lücken werden vervollständigt.
Bei nicht eindeutig Aufzulösendem ist die entsprechend dem vorliegenden Text wahrscheinlichste Variante zu ergänzen.
Größere Beschädigungen des Textes werden als Lücke markiert, doch ist von einer Rekonstruktion abzusehen.

Erschließender Apparat

Abkürzungen akademischer Titel, die als Namensbestandteile gelten, z.B. D, Dr. Lic. IUD, IUL., konventionelle (z.B. St., Hr.) und feststehende Abkürzungen wie Maße, Gewichts- und Währungsangaben werden beibehalten, in einem Verzeichnis erschlossen und dort aufgelöst.
GND-Auszeichnung von Orten, Personen, Kunstwerken wird vorgenommen, um über entsprechende Register eine Verbindung zu WissKI duerer.online zu schaffen.
In den editorischen Kommentaren finden sich vorrangig Literatur- und Quellenhinweise (auch auf gedruckte Quellen oder Bildquellen) sowie Verknüpfungen zu digitalen Ressourcen (Dürer-Bibliographie, Buch-, Archiv-, Bildmaterial).
Alle Anmerkungen der Bearbeiter*innen stehen in Fußnoten.

Die Richtlinien für die editorisch aufbereitete Textanzeige wurden basierend auf folgenden Empfehlungen erarbeitet:

  • Editionsrichtlinien für landesgeschichtliche Quellen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft und Schwäbischen Forschungsstelle Augsburg der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 19.02.2001 (darauf basierend u.a. folgende Editionsprojekte: Die ländlichen Rechtsquellen aus der Grafschaft Oettingen, hrsg. von Rolf Kießling und Thaddäus Steiner, Augsburg 2005; Georg Kölderer. Beschreibunng vnnd Kurtze Vertzaichnus Fürnemer Lob vnnd gedenckhwürdiher Historien. Eine Chronik der Stadt Augsburg der Jahre 1576 bis 1607, bearb. von Silvia Strodel, Augsburg 2013)
  • Zehn Thesen zur Edition deutschsprachiger Geschichtsquellen (14.–16. Jahrhundert), Matthias Thumser, in: Editionswissenschaftliche Kolloquien 2005/ 2007, Toruń 2008
  • Grundsätze für die Textbearbeitung im Fachbereich Historische Hilfswissenschaften, Archivschule Marburg, Stand: 26.04.2009
  • Regeln für die Transkription deutscher und lateinischer Texte in der Bayerischen Archivschule, München, gültig seit 1.12.2011
  • Editionsrichtlinien der „Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche“, hrsg. von Irene Dingel, Göttingen 2014
  • • Empfehlungen zur Edition frühneuzeitlicher Texte des Arbeitskreises „Editionsprobleme der Frühen Neuzeit“ der Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V., 11.02.2016