Neueinrichtung des Albrecht-Dürer-Hauses ab 1879
Der Leuchter mit Amor entstand im Rahmen der Neueinrichtung des Albrecht-Dürer-Hauses ab 1879. Für die Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung als neuen Mieter des ehemaligen Künstlerhauses entwarf Friedrich Wilhelm Wanderer ein Einrichtungskonzept, das den Anschein authentischer Wohnräume Dürers erzeugen sollte. Motive aus den Werken des Künstlers dienten ihm wiederholt als Vorlage: nach Zeichnungen Dürers ließ er einen Lüster mit mehrköpfigem Drachen und ein Leuchterweibchen fertigen. Ebenso wie für Letzteren erging der Auftrag für den Amorleuchter an Georg Leistner. Der mit großen Geweihschaufeln an Stelle von Flügeln ausgestattete Liebesgott hält einen gespannten Bogen mit angelegtem Pfeil in seinen Händen. Das als Augenbinde dienende Tuch ist auf die Stirn geschoben. Vorbild war diesmal eine aquarellierte Federzeichnung, die sich, aus dem Ambraser Kunstbuch stammend, im Kunsthistorischen Museum in Wien erhalten hat (vgl. Winkler III, Tafel XXI). Die Urheberschaft Dürers war bereits Ende des 19. Jahrhunderts umstritten: während Moritz Thausing (vgl. Thausing 1876, S. 113) und Friedrich Lippmann (vgl. Lippmann 1896 IV, S. 26, Nr. 412) von Dürer als Zeichner ausgingen, bezweifelte Charles Ephrussi dessen Beteiligung als Erster (vgl. Ephrussi 1877, S. 204, Anm. 2). Auch Friedrich Winkler schloss das Blatt aus Dürers Œuvre aus (vgl. Winkler III, o.S. [Anhang]).
Wanderer, der wohl von der Authentizität der Wiener Zeichnung ausging, platzierte das fertige Schnitzwerk in der sogenannten vorderen Stube (vgl. Altinventar der Stiftung, Stadtarchiv Nürnberg, E6/438 II, Nr. 91, S. 33). Bei den erneuten Umgestaltungen im Vorfeld des Dürerjahrs 1928 wurden alle drei Leuchter sowie zahlreiche weitere, von Wanderer angeschaffte Gegenstände aus dem Haus entfernt zugunsten einer eher nüchternen Inneneinrichtung (vgl. Bauer/ Höhn 1929, S. 13). Der Verbleib des nie inventarisierten Leuchters ist seitdem unbekannt (vgl. Mende 1991b, S. 41).