Beim "Flügel einer Blauracke", der über die Sammlungen von Willibald Imhoff (vgl. Heller Dürer 1827 I, S. 82, Nr. 56), von Kaiser Rudolf II. und Herzog Albert von Sachsen-Teschen in den Bestand der Albertina gelangte, handelt es sich um eine farbenprächtige Auseinandersetzung Dürers mit der Natur. Die oben mittig aufgesetzte Datierung "1512" ist wohl nicht eigenhändig. Die Zeichnung wird um 1500 datiert. Forschende stellten wiederholt einen Zusammenhang zu Kupferstichen Dürers her, die um die Jahrhundertwende gefertigt wurden und auf denen Flügel oder Flügelwesen dargestellt sind, wie "Nemesis" oder "Das Wappen mit dem Totenkopf" (u.a. Best.-Kat. Wien 2008, Nr. 6; Grebe 2015, S. 215).
Der Künstler zeichnete die ausgebreitete Flügelschwinge in schillernden Farben auf Pergament so detailgenau, dass Moritz Thausing überschwänglich festhielt: "Die Meisterschaft der technischen Ausführung spottet jeder Beschreibung. Das tiefe Leuchten des Ultramarin wird durch das Farbenspiel in den unbestimmten Uebergängen noch überboten" (Thausing 1884 II, S. 56). Nicht zuletzt deshalb regt der Flügel künstlerische Geister seit dem 16. Jahrhundert dazu an, ihn nachzuahmen und zu kopieren. Die zahlreichen Kopien, die in unterschiedlichen Museen und Privatsammlungen erhalten sind, führen seit Beginn der Dürer-Forschung und -Sammelleidenschaft gelegentlich sogar zu Zuschreibungsverwirrungen (u.a. Ehrl 2020-01-21).
S. 18, Nr. 527
S. 18, Nr. 104
A 420
S. 131, Nr. 1353
S. 186, Nr. 33
S. 610, 1502/10
Kat.-Nr. 6
S. 136, 138, 141