Bei dem auf Pergament gemalten Aquarell "Tote Blauracke", das über die Sammlungen von Willibald Imhoff (vgl. Budde 1996, S. 248, Z/21), von Kaiser Rudolf II. und Herzog Albert von Sachsen-Teschen in den Bestand der Albertina gelangte, handelt es sich um eine getreue Auseinandersetzung Dürers mit der Natur. Das farbenfrohe Federkleid, das der Künstler an dem toten Tier studierte, ist so detailliert wiedergegeben, dass der Bamberger Sammler Joseph Heller seiner Begeisterung wie folgt Ausdruck verlieh: "Dieses Miniaturgemälde auf Pergament ist so vorzüglich, daß man nicht Worte finden kann, es zu beschreiben. Auch das kleinste Federchen ist mit einer bewundernswürdiger Sorgfalt und Genauigkeit dargestellt; dazu kommt noch die ausserordentliche Farbenpracht." (Heller Dürer 1827 I, S. 117, Nr. 135). Eine ähnliche Faszination mag Künstler seit dem 16. Jahrhundert dazu angeregt haben, Kopien anzufertigen. Diese sind heute in unterschiedlichen Museen und Privatsammlungen international erhalten und werden gerne von Forschenden herangezogen, um die frühzeitig erkannte Besonderheit des Blattes zu betonen (vgl. Ausst.-Kat. Wien 1985, S. 18, Kat.-Nr. 10).
Die oben rechts aufgesetzte Datierung sowie das Dürer-Monogramm wurden in ihrer Authentizität erstmals 1971 von Walter Koschatzky als "unsicher gezogen" (S. 188, Kat.-Nr. 34) angezweifelt. Die Zeichnung gilt heute, wie auch das ebenfalls in der Albertina aufbewahrte Pendant "Flügel einer Blauracke" (Inv.-Nr. 4840), aufgrund von stilistisch-technischen und motivischen Vergleichen als um 1500 entstanden. Nur Jaro Springer, Tietzes und - ihnen folgend - Erwin Panofsky äußerten Zweifel an der Urheberschaft Dürers (vgl. Springer 1906, S. 555; Tietzes 1938 II, A 419; Panofsky 1948 II, S. 131, Nr. 1350).
S. 17, Nr. 526
S. 555
S. 18, Nr. 105
A 419
S. 131, Nr. 1350
S. 188, Nr. 34
S. 612, 1502/11
S. 136, 138, 140
S. 44-45