Dürer porträtiert in dieser Tüchleinmalerei den Augsburger Patrizier Jakob Fugger den Reichen als nach links gewandtes Brustbild mit weißem Hemd, schwarzem Wams, schwarzer Schaube samt braunem Pelzkragen und ehemals goldener Haarhaube vor hellblauem Hintergrund. Fugger wird jedoch erst ab Anfang des 19. Jh. als Porträtierter identifiziert – Heller betitelt das Porträt noch 1827 als „Brustbild eines alten Mannes“ (vgl. Heller 1827, S. 197, Nr. 18; Best.-Kat. Dürer München 1998, S. 469).
Das Gemälde basiert wohl auf einer unsignierten Kohlezeichnung auf Papier (Berlin, Staatl. Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. KdZ 8465), wenngleich u.a. aufgrund des erweiterten Bildausschnitts und stilistischen Unterschieden davon ausgegangen wird, dass Dürer noch weitere vorbereitende Zeichnungen anfertigte (vgl. Ausst.-Kat. Frankfurt am Main/ Wien 2023, S. 275). Zudem wurde immer wieder die Zuschreibung des Tüchlein-Gemäldes an Dürer angezweifelt (vgl. u.a. Winkler 1928, S. 417; Tietzes 1937, S. 167; zusammenfassend Best.-Kat. Dürer München 1998, S. 473).
Neben dem Münchener Gemälde haben sich zwei Kopien auf Holz, wohl aus dem 16. Jahrhundert, in Berlin (Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 557) und in süddeutschem Privatbesitz des Grafen Törring erhalten (vgl. Ausst.-Kat. Augsburg 1997, S. 105). Ungeklärt bleibt, in welcher Reihenfolge und Bezug zueinander die unterschiedlichen Gemäldefassungen entstanden sind. In jüngerer Zeit wurde mehrfach vermutet, dass wohl nicht das Münchener Tüchlein-Gemälde, sondern ein heute verschollenes Gemälde auf Holz das Urbild war, für das das Tüchlein als modello diente (vgl. Best.-Kat. Dürer München 1998, S. 473; Ausst.-Kat. Frankfurt am Main/ Wien 2023, S. 275). Ähnlich ging Dürer im Falle des Porträts Kaiser Maximilians I. vor (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv.-Nr. Gm169; Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 825). Beide Kopien auf Holz seien somit nicht Kopien des Tüchleins, sondern des verlorenen Urbildes (Ausst.-Kat. Frankfurt am Main/ Wien 2023, S. 275).
S. 167, W 113
S. 463, Nr. 13
S. 275, Kat.-Nr. 3.06