Die Federzeichnung "Nackte Frau mit einer Fackel und andere Akte" konnte 1910 für das Berliner Kupferstichkabinett erworben werden. Bis dahin war sie in Privatbesitz.
Der Künstler arbeitete mit verschiedenen Tinten. In Schwarz zeichnete er eine nackte Frau mit Fackel in das Blattzentrum. Sie steht auf einem Podest, ihr Schambereich ist von einer Draperie verhüllt. Obwohl ihr Körper zu den Betrachter:innen gewandt ist, erhaschen diese aufgrund ihrer Kopfdrehung nur einen Blick auf ihr Gesicht im verlorenen Profil. Unterhalb sind in kleinerem Maßstab weitere Aktfiguren. Darunter - ebenfalls in Schwarz - kämpfende Männer, eine sitzende Schalmeispielerin sowie ein auf einen Stab gestützter weiblicher Rückenakt. Ein mit dem rechten Arm deutender Mann sowie eine am Boden Sitzende mit Hut sind in Braun hinzugefügt. Letztere erinnert an eine Figur aus Dürers 1496 gezeichnetes "Frauenbad" (Bremen, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 1851/57 Z).
Wiederholt versuchten sich Forschende an Deutungen, die schon Eduard Flechsig als wenig gewinnbringend beurteilte (vgl. Flechsig II, S. 311). Friedrich Winkler schlussfolgerte, dass es sich um eine lockere Zusammenstellung ohne inhaltliche Bezüge handele (Winkler III, S. 82, Nr. 668).
Die Eigenhändigkeit wird im Allgemeinen nicht angezweifelt, gleichwohl das unten links aufgebrachte Monogramm nicht jeden überzeugte (z.B. Strauss 1974 III, S. 154, 1514/32). Heute kaum noch sichtbar war oben mittig die Jahreszahl "1514" notiert, die Elfried Bock bereits im Bestandskatalog von 1921 als "fast gänzlich erloschen" beschrieb (Best.-Kat. Berlin 1921 I, S. 29).
S. 102, Nr. 615
S. 1454, 1514/32