1512
AD
Das Gemälde, das oben mittig in das Jahr 1512 datiert und monogrammiert ist, zeigt Maria und das Christuskind. Im beengten Bildraum am vorderen Bildrand und vor dem schwarzen Hintergrund platziert, treten Mutter und Kind für die Betrachter*innen unmittelbar hervor. Ähnlich wie insbesondere in früheren Mariendarstellungen, wie der „Marie mit dem Kind“ (Wien, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 846), verzichtet Dürer auf Nimben und andere Attribute als direkte Verweise auf die Heiligkeit der Dargestellten.
Die Provenienz des Bildes ist nicht eindeutig belegbar. Wiederholt ist vermutet worden, dass es sich neben der „Maria mit dem Kind“ (Wien, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 846) bei diesem Gemälde um eines der beiden nicht näher beschriebenen Madonnenbilder handelt, die Kaiser Rudolf II. 1600 vom Adligen Francois Perrenot für seine Prager Residenz erwarb (vgl. Ausst.-Kat. Wien 2012a, S. 9).
In der stilistischen und maltechnischen Gestaltung von Maria und dem Christuskind fallen deutliche Unterschiede auf, die in der Literatur stets hervorgehoben werden. Bildliche Vorlagen für beide Figuren wurden daher vielfach ergründet (vgl. u.a. Anzelewsky 1991 I, S. 234; Ausst.-Kat. Wien 1994, S. 80; Ausst.-Kat. Wien 2012a, S. 7).
Ein nahezu identisch gestalteter Marienkopf findet sich in Dürers 1509 gemaltem Bild "Die Heiligen Familie" (Rotterdam, Museum Boijmans Van Beuningen, Inv.-Nr. 2447 (OK)). U.a. Guido Messling und Karl Schütz verweisen zudem auf Dürers weiß erhöhte Kohlezeichnung eines Frauenkopfes von 1503 (Basel, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 1959.104), die als Vorlage für beide Gemälde gedient haben könnte (vgl. Ausst.-Kat. Wien 1994, S. 80; Ausst.-Kat. Wien 2012a, S. 7).
Die große Anzahl an Kopien im deutschsprachigen Raum und in Italien spricht für die weitreichende Bekanntheit des Gemäldes, darunter u.a. eine dem deutschen Künstler Daniel Fröschl zugeschriebene, kurz nach 1600 entstandene Rötelzeichnung (Prag, Nationalgalerie, Inv.-Nr. 25561), ein großformatiger Kupferstich des in Wien tätigen Hofkupferstechers Frans van der Steen (London, The British Museum, Inv.-Nr. E,2.328), der wiederum auf einer Zeichnung des in kaiserlichen Diensten stehenden Malers Frans Luycx basiert, drei um 1650 gefertigte Gemäldekopien des deutschen Malers Johann Christian Ruprecht (eine davon in Leipzig, Museum der Bildenden Künste, Inv.-Nr. G 69) und ein um 1650 entstandenes Gemälde des aus Sassoferrato stammenden Malers Giovanni Battista Salvi (Budapest, Szépmüvészeti Múzeum, Inv.-Nr. 475).
S. 70, Nr. 477
S. 46, Nr. 133