Am Skt. Andreastage 1486 versprach mich mein Vater in die Lehrjahre zu Michael Wohlgemuth; drey Jahre lang ihm zu dienen. In dieser Zeit verlieh mir Gott Fleiß, daß ich wohl lernete, aber viel von seinen Knechten leiden mußte.
gemalte Rahmung
Für die Säkularfeier zu Dürers Todestag 1828 entstand in München die gemeinsame Idee einer Gruppe von Schülern des Peter von Cornelius, eine Folge von sieben Transparenten mit Szenen aus Dürers Leben für den großen Rathaussaal in Nürnberg zu entwerfen. Die Transparentgemälde sind nicht erhalten, Vorarbeiten der beteiligten Künstler sowie Kopien nach den Werken geben Aufschluss über Projekt und Einzeldarstellungen.
Ferdinand Fellner gestaltete die erste Episode des Zyklus, die den jugendlichen Dürer zeigte, wie er von dem Vater Albrecht Dürer dem Älteren zu Michael Wolgemut in die Werkstatt gebracht wurde, um die Lehre anzutreten. Im Hintergrund waren zwei Malergesellen bei der Arbeit zu sehen, ein geöffnetes Fenster gab den Blick auf die Nürnberger Burg frei. Neben der Beschreibung eines Augenzeugens im Kunstblatt (vgl. Morgenblatt für gebildete Stände/ Kunstblatt 9 (1828), Nr. 34, S. 135) und späteren Kopien vermittelt auch eine vorbereitende Bleistiftzeichnung Fellners einen Eindruck der Komposition (Rotterdam, Museum Boijmans van Beuningen, Inv.-Nr. DN 349/246, vgl. Schauz 1977, S. 326, Anm. 4, Abb. nach S. 328). Die theoretische Grundlage lieferte ein Auszug aus Friedrich Campes "Reliquien Albrecht Dürers" (vgl. Campe 1828, S. 7), der als unter der Darstellung angebrachte Inschrift das Geschehen erläuterte. Als Quelle verwendete Campe unter anderem die Bamberger Abschrift der Familienchronik, die er bei der Beschreibung von Dürers Lehrbeginn wortgetreu übernahm (vgl. Staatsbibliothek Bamberg, Sign. JH.Msc.Art.50, fol. 5v).
Ebenso wie die anderen sechs Szenen war die Werkstattansicht eingebettet in einen gotischen Spitzbogen mit Maßwerk, der oben in Drei- und Vierpassfeldern Platz für drei Heiligenbildnisse ließ. In einer Vorzeichnung projektierte Fellner hierfür den Evangelisten Lukas, die Madonna malend, den Heiligen Eligius als Schutzpatron der Goldschmiede und damit des Handwerks Dürers d. Ä. sowie den Heiligen Andreas, an dessen Namenstag Dürer in die Lehre kam. Kopfstudien vom Vater und dem Lehrer Wolgemut nach von Dürer gemalten Bildnissen (Nürnberg, GNM, Leihgabe Bayerische Staatsgemäldesammlung, Inv.-Nr. 700; Kopie des nicht erhaltenen Vaterbildnis in London, The National Gallery, Inv.-Nr. NG1938) dienten als Vorlage für die Gesichter. Zwei weitere Zeichnungen geben Hinweise auf das die Spitzbogenfelder umschließende Bildprogramm sowie auf die Gesamtinstallation der Transparente an der Ostseite des Rathaussaals (Frankfurt, Städel Museum, Nr. 120, 243 und 317 des nummerierten Nachlasses; vgl. Schauz 1977, Abbildungen vor S. 329; sowie Städel Museum, Inv.-Nr. 5736). Eine ephemere Wandverkleidung bildete eine chorähnliche Nische, die sakraler Architektur nachempfunden war. Die Werkstattszene war als erstes Bild links der Apsis an der Stirnseite platziert, die parallel zur Saalwand verlief (vgl. Morgenblatt für gebildete Stände/ Kunstblatt 9 (1828), Nr. 34, S. 135).
An der Übertragung des von Fellner vorbereiteten Kartons auf das Transparent waren mehrere Maler beteiligt, von denen Jospeh Binder, Johann David Passavant und Anton Philipp Schilgen namentlich bekannt sind (vgl. Morgenblatt für gebildete Stände/ Kunstblatt 9 (1828), Nr. 34, S. 135). Den Fensterausblick auf die Nürnberger Burg hat Matthias Mende Robert Reinick zugeschrieben (vgl. Mende 1969, S. 201, Anm. 38). Anlass gab ihm der Kommentar Emil Försters, einem der Münchner Künstler, man habe Reinick, "der mit seltnem Geschick und Geschmack und der liebenswürdigsten Lust Ansichten aus Nürnberg in unsere Bilder malte, [...] wo es nur ging, ein Fenster dafür geöffnet" (Förster 1860, S. 69). Nach der Säkularfeier verblieben die Transparente im Besitz der Stadt Nürnberg und waren noch 1860 "wohlerhalten in der Kunstschule zu Nürnberg" (vgl. Förster 1860, S. 70). Danach verliert sich ihre Spur (vgl. Mende 1969, S. 197, Anm. 2).