1520
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•IOANI•KLEBERGERS•NORICI• •ANO•AETA•SVAE•XXXX•
Zwei Jahre vor seinem Tod liefert uns Dürer mit dem 1526 datierten Gemälde ein außergewöhnliches Porträt, das in seinem Werk ohne Vergleich bleibt. Als vollplastische Büste in einem kreisrunden, steinernen Mauerausschnitt vor dunklem Hintergrund samt umlaufender Inschrift, was an antike Münzen und zeitgenössische Bildnismedaillen erinnert, porträtiert er den 1486 in Nürnberg geboren Kaufmann Johannes Kleberger.
Das Bildprogramm steht im Sternzeichen Löwe: das astronomische Zeichen, das sich am Ende der umlaufenden Inschrift findet, steht nach dem deutschen Renaissance-Gelehrten Agrippa von Nettesheim für die Konjunktion der Sonne mit dem hellsten Stern (Regulus) im Sternbild des Löwen („sol in corde leonis“). Das entsprechende Tierkreiszeichen findet sich umringt von sechs Sternen zudem in der oberen linken Bildecke. Dies ist nach astrologischer Auffassung ein Hinweis auf das künftige Schicksal eines zu großen Dingen bestimmten Menschen (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 279; Ausst.-Kat. Wien 1994, S. 88).
Kleberger, der seine Geburtsstadt im Kindesalter verließ, war hauptsächlich in Lyon tätig und gelangte dort zu Reichtum. Um 1525/ 1526 kehrte er nach Nürnberg zurück, erwarb das Bürgerrecht und ließ sich von Dürer porträtieren. 1528 heiratete er nach langwierigen Protesten des Nürnberger Patriziers Willibald Pirckheimer seine Tochter Felicitas Imhoff, die Witwe Hans Imhoffs, verließ sie kurz darauf wieder (Pirckheimer beschuldigte ihn zudem des Mordes an der 1530 gestorbenen Felicitas durch ein langsam wirkendes Gift; Ausst.-Kat. Wien 1994, S. 86) und lebte anschließend bis zu seinem Tod in Lyon. Inwiefern Dürers Gemälde, das Kleberger so rühmend vermarktet, dazu beitrug, Pirckheimer umzustimmen, muss dahingestellt bleiben.
Kleberger gab 1526 außerdem zwei Bildnismedaillen in Auftrag, die ein ähnliches Bildprogramm aufweisen und für die Dürer die Entwürfe geliefert haben könnte (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 279).
S. 47, Nr. 133
S. 324, Nr. 70