Sturm auf der Schelde, 167454

Titel
Sturm auf der Schelde
Vorschaubild
Inhaltliche Entstehung
Künstler*in
Rolle
Inventor
Datierung
1828
Ausführung
Rolle
Maler
Datierung
29.03.-06.04.1828
Ort
Nürnberg
Technik
Malerei
Urheber*in
Rolle
Maler
Bezeichnung
Anbringungsort
unterhalb
Bezeichnungstyp
Inschrift
Transkription

Da zerriss das starke Seil und kam ein starker Sturmwind. Der Schiffmann rauft sich und schrie und war Angst und Noth; denn der Wind war groß. Da sprach ich zum Schiffmann, er sollt' ein Herz fahen und Hoffnung zu Gott haben, und nachdenken was zu thun wär. Und wir halfen schwerlich den kleinen Segel halb auf und fuhren wieder an.

Quelle
nach Morgenblatt für gebildete Stände/ Kunstblatt 9 (1828), Nr. 35, S. 137; wohl Paraphrase von Campe 1828, S. 109
Rahmung
Beschreibung

gemalte Rahmung

Kommentar

Für die Säkularfeier zu Dürers Todestag 1828 entstand in München die gemeinsame Idee einer Gruppe von Schülern des Peter von Cornelius, eine Folge von sieben Transparenten mit Szenen aus Dürers Leben für den großen Rathaussaal in Nürnberg zu entwerfen. Die Transparentgemälde sind nicht erhalten, Vorarbeiten der beteiligten Künstler sowie Kopien nach den Werken geben Aufschluss über Projekt und Einzeldarstellungen.
Ferdinand Fellner gestaltete die fünfte Episode des Zyklus, den Sturm auf der Schelde vorstellend. In seinem Tagebuch der niederländischen Reise beschrieb Dürer, wie er unweit der Stadt Arnemuiden im Dezember 1520 in Seenot geriet (vgl. Abschrift in der Staatsbibliothek Bamberg, JH.Msc.Art.1#1, S. 33). In seiner Schilderung war der Schiffsmann von Panik gelähmt und erst durch Dürers Zureden und gemeinsame Anstrengungen gelang es, aus der Situation zu manövrieren. Eben diese Rolle des besonnenen Helden kam dem Nürnberger auch in Fellners Transparent zu, wie die Beschreibung eines Augenzeugens im Kunstblatt (vgl. Morgenblatt für gebildete Stände/ Kunstblatt 9 (1828), Nr. 35, S. 137) sowie spätere Kopien zeigen: Dürer stand in der Mitte des kleinen Schaluppe, sich mit dem linken Arm am Mast festhaltend, während er mit der Rechten auffordern den Hemdärmel des Schiffsmanns ergriff. Ebenfalls den Mast umklammerte Jörg Kötzler, um göttlichen Beistand betend. Zwei alte Frauen im Vordergrund rafften sich die im Wind flatternden Tücher um den Körper, während am hinteren Ende des Bootes der Schiffsjungen am Ufer stehende Menschen zur Hilfe herbeirief. Im Hintergrund erstreckte sich Arnemuiden unter einem sturmverhangenen Himmel.
Als direkte theoretische Vorlage für die Szene dienten Friedrich Campes "Reliquien Albrecht Dürers" (vgl. Campe 1828, S. 109). Auszüge daraus wurden für einige der anderen Transparente wortwörtlich als Inschriften verwendet. Auch unter dem Seesturm erläuterte ein kurzer Text die Darstellung, die entsprechende Stelle aus den "Reliquien" allerdings nur paraphrasierend wiedergebend.
Ebenso wie die anderen sechs Episoden war die Schiffsszene von einer gemalten Rahmung in Form eines gotischen Spitzbogens mit Maßwerk, der oben in Drei- und Vierpassfeldern Platz für drei Bildnisse ließ – hier niederländische Künstler vorstellend, von denen nur noch Jan Gossaert identifiziert werden kann (vgl. Morgenblatt für gebildete Stände/ Kunstblatt 9 (1828), Nr. 35, S. 137).
Bei der Übertragung der Kartons auf die Transparente wurden die Münchner Künstler von zahlreichen zum Fest angereisten Malern unterstützt (vgl. Cornill 1865 II, S. 14). Im Fall des Sturms auf der Schelde besorgte Fellner selbst wohl nur den Entwurf, während Eugen Neureuther und Karl Stürmer die Umsetzung übernahmen (vgl. Morgenblatt für gebildete Stände/ Kunstblatt 9 (1828), Nr. 35, S. 137; und Förster 1874, S. 406). Präsentiert wurden die Gemälde schließlich an der Ostseite des Rathaussaales. Eine ephemere Wandverkleidung bildete eine chorähnliche Nische, die sakraler Architektur nachempfunden war. Die Schiffsszene war als eine der fünf in dieser Apsis gezeigten Episoden als zweite von rechts platziert. Nach der Säkularfeier verblieben die Transparente im Besitz der Stadt Nürnberg und waren noch 1860 "wohlerhalten in der Kunstschule zu Nürnberg" (vgl. Förster 1860, S. 70). Danach verliert sich ihre Spur (vgl. Mende 1969, S. 197, Anm. 2).

Autor*in
Datum
14.07.2025
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S. 185

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Bearbeitung
Erfassung
Datum
11.07.2025