Die weder datierte noch monogrammierte Zeichnung wurde - noch als "Grablegung" - 1927 durch Henry Scipio Reitlingers Aufsatz "An Unkown Collection of Dürer Drawings" in der Forschung bekannt gemacht (vgl. Reitlinger 1927, S. 159). Der Autor berichtete über bis dahin von Wissenschaftler:innen unbeachtete Dürer-Zeichnungen des Lubomirski Museums.
Die von Tietzes als "pathische Komposition" (Tietzes 1938 II, S. 39, Nr. 880) bezeichnete Federzeichnung in Braun zeigt den Leichnam Christi kurz vor der Salbung. Die drei Marien stehen bzw. sitzen dicht bei ihm, halten sanft sein Haupt, falten die Hände zum Gebet und holen das Salbgefäß hervor. Im Hintergrund wohnen sechs Männer dem Geschehen bei, darunter die Helfer der Kreuzabnahme sowie Johannes der Evangelist. Das Motiv der Vorbereitung des Leichnams Christi für die Grablegung findet sich selten künstlerisch verarbeitet (vgl. Cowen 2021, S. 382).
Nachdem die Zeichnung 1941 widerrechtlich für das in Linz geplante Führermuseum Adolf Hitlers beschlagnahmt wurde, gelangte sie nach ihrer Restitution 1950 (Central Collecting Point, München, Münchener Nr. 2399/231) in den Kunsthandel und konnte 1954 von Bernard Brenninkmeijer, dem Begründer der Liberna Collection erworben werden. Seit 2012 ist diese Dauerleihgabe in der Draiflessen Collection in Mettingen.
S. 23, Nr. 24
S. 24, Nr. 861
S. 39, Nr. 880
S. 2122, 1521/70