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Dürer porträtiert auf dem 1507 datierten Gemälde einen jungen Mann in pelzbesetztem Mantel im Dreiviertelprofil vor einem schwarzen Hintergrund. Die Identität des Mannes ist unbekannt, denn die Deutung seiner Herkunft hängt wesentlich davon ab, ob das Bild noch Anfang des Jahres 1507 in Venedig oder nach Dürers Rückkehr nach Nürnberg entstanden ist. Häufig wird die Entstehung in Venedig angenommen, weshalb der Porträtierte dem Kreis der in Venedig ansässigen deutschen Kaufleute zugerechnet wird (vgl. u.a. Winkler 1928, S. 413; Grote 1956, S. 62; Ausst.-Kat. Wien 1994, S. 66). Die Verwendung von Lindenholz spräche wiederum eher für die Entstehung in Nürnberg (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 210; Wolf 2010, S. 259).
Das Porträt wird auf der Rückseite von einer Darstellung einer alten Frau begleitet, die als Vanitas und/ oder Avaritia gedeutet wurde (vgl. Wien, KHM, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 849 (verso)) und deren ikonografischer Zusammenhang zum porträtierten jungen Mann der Forschung bis heute Rätsel aufgibt. Fedja Anzelewsky stellte, Eduard Flechsig folgend, die These auf, dass die Tafel Teil eines Diptychons gewesen sein, deren andere, heute verschollene Tafel ein Marienbild gewesen sein könnte, oder, dass es sich noch wahrscheinlicher um ein Bildnis mit Schiebedeckel samt Wappen des Auftraggebers gehandelt hat (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 211).
S. 44, Nr. 130