Das Gemälde entstand um 1492/ 1493, als Dürer sich auf der letzten Etappe seiner Wanderschaft in Straßburg aufhielt und ist damit eines seiner frühesten Gemälde. Erstmals nachzuweisen ist das Bild im Besitz des Münchner Malers Philipp Röth (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 122). Die Zuschreibung wurde in der Forschung bezweifelt, heute ist das Gemälde Dürer zugeschrieben.
Dürer präsentiert Christus umgeben von einem punzierten Goldgrund vor einer Steinbrüstung in der Grabeshöhle als blutenden Schmerzensmann, ausgestattet mit Dornenkrone und Leidenswerkzeugen als Symbole seiner Passion. Sein Kopf ruht in der Hand des rechten Arms, den er auf das angewinkelte Knie stützt und die Betrachter*innen melancholisch bedächtig anschaut und durch den Leidensgestus zur Andacht anregt (siehe ausführlich Borries 1972, S. 15). In der Goldpunzierung ist das Motiv einer von Vögeln angegriffenen Eule in Distelranken zu erkennen, das als Symbol des Leidens und der Erlösung Christi gedeutet wird (vgl. Grote 1965, S. 156). Daniel Hess sieht in dieser anspruchsvollen Wiedergabe der Pose und Anatomie Christi vor allem Dürers Streben nach einer naturalistischen Darstellung (vgl. Ausst.-Kat. Nürnberg 2012, S. 508).
Unklar ist der ikonografische Bezug zur Rückseite der Tafel, die ein abstraktes, farbig marmoriertes Muster zeigt. Dieses wird unterschiedlich, u.a. als Steinschnitt (vgl. Borries 1972, S. 33), als Farbexperiment oder als Lichtvision gedeutet (vgl. ausführlich Frick 2020, S. 231-238).
Vielfach wurden zudem potenzielle Vorlagen für die Darstellung herangezogen, insbesondere die zeitnah entstandene Federzeichnung mit Dürers Selbstbildnis (Erlangen, FAU, Graphische Sammlung, H62/B 155 (verso)). Auch der Zusammenhang zu den Tafeln des Straßburger Dominikus-Altars wurde intensiv diskutiert (vgl. u.a. Anzelewsky 1991 I, S. 143), kunsttechnologische Untersuchungen zeigten jedoch kaum Analogien in der Ausführung (vgl. Ausst.-Kat. Nürnberg 2012, S. 508).