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SW
Componirt von Simon Wagner.
Lith: von Joh: Williard.
Da man zählt nach Christi Geburt 1486 am S. Andreas Tag, versprach mich mein
Vater in die Lehr=Jahr zu Michael Wohlgemuth, drei Jahr lang, ihm zu dienen.
Gedr: in der Köngl: Steindruckerei in Dresden
gedruckte Einfassungslinien
Nach zeichnerischen Entwürfen Simon Wagners fertigte Johann Williard sieben Federlithographien, die verschiedene Stationen aus dem Leben Albrecht Dürers illustrieren. Mit einem Vorwort von Johann Gottlieb von Quandt erschien die Folge 1829 in Dresden. Die zweite Szene zeigt Dürer, wie er vom Vater Albrecht d. Ä. zur Lehre in die Werkstatt Michael Wolgemuts gebracht wird. Mit Pinsel, Palette und Malstock steht dieser vor einer Staffelei und wendet sich begrüßend dem Knaben in Begleitung seines Vaters zu. Unterhalb des Bildfelds erläutert eine Inschrift die Darstellung, die auf Friedrich Campes 1828 veröffentlichten "Reliquien Albrecht Dürers" beruht (vgl. Campe 1828, S. 7). Als Quelle verwendete Campe unter anderem die Bamberger Abschrift der Familienchronik, die er bei der Beschreibung von Dürers Lehreintritt bei Wolgemut wortgetreu übernahm (vgl. Staatsbibliothek Bamberg, Sign. JH.Msc.Art.50, fol. 5v).
Die druckgraphische Folge der Lebensstationen Dürers entstand wohl als Reaktion auf die Transparente der Nürnberger Dürer-Feier von 1828, geschaffen von einer Gruppe Münchner Künstler um Peter von Cornelius, die sich ebenfalls auf Campes "Reliquien" bezogen hatten (vgl. Ausst.-Kat. Göttingen/ Rom 2025, S. 272). Wagner wählte zum Teil andere Geschehnisse aus Dürers Leben für seinen Zyklus aus – der Eintritt in Wolgemuts Werkstatt ist jedoch Inhalt beider Folgen.
S. 274, Kat.-Nr. 58 b