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Componirt von Simon Wagner
Lith: von Joh: Williard. 1829.
Dies ist mein Scepter, ich wünschte nicht daß Ew. Majestaet so künstlich mah=
len koennten wie ich.
gedr: in der Königl: Steindruckerei in Dresden.
gedruckte Einfassungslinien
Nach zeichnerischen Entwürfen Simon Wagners fertigte Johann Williard sieben Federlithographien, die verschiedene Stationen aus dem Leben Albrecht Dürers illustrieren. Mit einem Vorwort von Johann Gottlieb von Quandt erschien die Folge 1829 in Dresden. Die fünfte Szene zeigt eine von Philipp Melanchthon überlieferte Anekdote, die sich zwischen Kaiser Maximilian I. und Dürer abgespielt haben soll. Maximilian soll beim Versuch, etwas zu Zeichnen, die Reißkohle wiederholt abgebrochen sein. Als er Dürer danach befragte, wieso es ihm nicht so wie dem Künstler gelinge, habe dieser geantwortet, dass die Kohle sein Szepter sei und er nicht wünsche, dass der Kaiser so gut malen könne wie er. Die Inschrift unterhalb der Szene zieitert diese Aussage Dürers nach Johann Ferdinand Roths (vgl. Roth 1789, S. 36). In Wagners Darstellung besucht der Kaiser den Künstler in dessen Atelier. Dürer steht neben einer Staffelei und hält die Reißkohle zeigend vor sich. Im Hintergrund befinden sich zahlreiche Maltensilien, Werkzeuge für die Herstellung von Druckgraphik und auch eine verkleinerte Versionen der berühmten Gemälde der Vier Apostel (München, Alte Pinakothek, Inv.-Nrn. 540 und 545). Die druckgraphische Folge der Lebensstationen Dürers entstand wohl als Reaktion auf die Transparente der Nürnberger Dürer-Feier von 1828, geschaffen von einer Gruppe Münchner Künstler um Peter von Cornelius. Wagner wählte zum Teil jedoch andere Geschehnisse aus Dürers Leben für seinen Zyklus aus – so auch der Besuch Kaiser Maximilians I. bei Dürer.
S. 276, Kat.-Nr. 58 e