Rud.Geissler fec.
Hubert bei Albrecht Dürer.
Rudolf Geissler illustrierte Elisabeth Ebelings Jugendroman "Das Geläute", der 1867 bei Carl Flemming in Glogau erschienen. Eine der Darstellungen zeigt den Jungen Hubert, den Protagonisten der Erzählung, in der Werkstatt Albrecht Dürers. Hubert, der sich aufmacht, um Malergeselle zu werden, gelangt auf seiner Reise nach Nürnberg und bittet Dürer, ihn als Lehrling zu unterrichten. Dieser ist zunächst geneigt, den Jungen aufzunehmen, doch schickt ihn nach vehementem Widerspruch seiner Ehefrau Anges wieder fort. In dem Roman wird Agnes als herrisches und unbarmherziges "Weib" charaktersiert. Dass ihr, insbesondere im 19. Jahrhundert, derartige Wesenszüge zugeschrieben wurden, ist zurückzuführen auf Äußerungen Willibald Pirckheimers nach Dürers Tod (vgl. Briefkonzept Willibald Pirckheimers an Johann Tschertte, Nürnberg, Stadtbibliothek mit Bildungscampus Nürnberg, Sign. PP 396).
Geisslers Illustration schildert den Moment, als Agnes die Werkstatt betritt und Dürer mit Hubert im Gespräch vorfindet. Der Entwurf wurde wohl auf mehrere Lithographiesteine übertragen: die in Ausgaben des Romans gedruckte Version (vgl. Ebeling 1867, [nach S. 76]) unterscheidet sich von einem als Einzelblatt erhaltenen Abdruck in einigen Punkten (vgl. Nürnberg, Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung, Inv.-Nr. Gr.A. 09768). Die Farben variieren, Maße und Bildausschnitt weichen geringfügig voneinander ab, Konturen und Schatten wurden teils verschiedentlich gestaltet.
Abb. S. 115