MAX 1. BEI A. DÜRER.
Verlag von B. Herder. in Freiburg.
gedruckte Einfassungslinien
Der Stich bildet eine im 19. Jahrhundert besonders verbreitete Legende aus Dürers Leben ab, die wohl auf eine lokale Nürnberger Überlieferung zurückzuführen ist (vgl. Ausst.-Kat. Nürnberg 1993, o.S.). Im Appendix seines 1604 veröffentlichten Schilder-Boeck berichtet Karel van Mander, Kaiser Maximilian I. habe einen seiner Gefolgsleute angewiesen, dem arbeitenden Dürer die Leiter zu halten. Der Angesprochene empfand das als unter seiner Würde und gab den Befehl an einen Diener weiter. Maximilian antwortete darauf, er könne zwar einen Bauern zum Edelmann machen, aber einen Edelmann nicht zum Künstler (vgl. Mander 1604, fol. Pp v). Obwohl bei van Mander nicht erwähnt, etablierte sich im 19. Jahrhundert eine Darstellungsweise, die den Kaiser selbst die Leiter haltend zeigt.
Dürer steht auf den oberen Stufen einer Leiter und arbeitet an einem Wandbild, eine Versammlung von Heiligen zeigend. Maximilian hat die rechte Hand an der Leiter, während er mit der anderen zu einem seiner Gefolgsleute zeigt, der sich scheinbar beschämt abwendet und zu Boden blickt. Hinter Maximilian beobachten weitere Edelleute das Geschehen.
Der im Freiburger Verlag B. Herders erschienene Druck ist unsigniert. Ulrich Pfisterer datierte den Stich mit Vorbehalt auf 1842, allerdings ohne erklärenden Kommentar (vgl. Ausst.-Kat. Göttingen/ Rom 2015, S. 290). Denkbar ist, dass die Leiter-Szene als Illustration für eine Ausgabe von Carl von Rottecks "Allgemeine Geschichte vom Anfang der historischen Kenntniß bis auf unsere Zeiten" diente. Das mehrbändige Historienwerk wurde über mehrere Jahrzehnte hinweg in zahlreichen Auflagen vom Herder'schen Verlag herausgegeben. Bereits die 1818 erschienene Ausgabe des sechsten Bandes zeigte als Titelblatt Charles Louis Schulers Stich "Kaiser Maximilian I. in der Werkstätte Albrecht Dürers".
[o.S.] Nr. 8
S. 290