1527
AD
Ein ungewöhnliches Motiv wählt Dürer für dieses signierte und datierte "Tüchlein"-Gemälde von 1527. Frontal hält Dürer den zu schweben scheinenden Kopf eines Kindes fest, das mit hellem, gelockten Haar und einem voluminösen Bart ausgestattet ist. Letzterer nimmt prominent rund ¾ der Bildhöhe ein. Der Zweck dieses Werkes ist unbekannt, doch die ungewöhnliche Darstellung hat zu zahlreichen Interpretationen geführt, etwa als Darstellung einer Abnormalität. Eduard Flechsig sieht in dem hinzugefügten Bart sogar nichts anderes als einen Scherz Dürers (vgl. Flechsig I, S. 431). Erika Tietze-Conrad und Hans Tietze deuten die Darstellung hingegen als mythologische Anspielung. Der Kindeskopf soll den Paedogeron, eine Hieroglyphe des Horapollon, verkörpern, die Vergangenheit und Zukunft symbolisiert (vgl. Tietzes 1938 II, S. 65).
S. 65, Nr. 978