1526
VIVENTIS • POTVIT • DVRERIVS • ORA • PHILIPPI
MENTEM • NON • POTVIT • PINGERE • DOCTA
MANVS
AD
1526 stach Dürer das Porträt des Philipp Melanchthon in Kupfer. Zugrunde lag ihm eine Zeichnung des Humanisten als Brustbild im rechten Profil, die er zuvor von diesem angefertigt hatte (Florenz, Museum Horne).
Der hagere und bärtige Gelehrte, in dessen Auge sich ein Fensterkreuz spiegelt, blickt nachdenklich in die Ferne. Während der Hintergrund durch horizontale Schraffuren gebildet ist, schließt ein Textfeld das Bildnis nach unten ab. Die darin befindliche Inschrift verweist, eingerahmt von Datierung und Dürer-Monogramm, auf die Unmöglichkeit das Genie des Dargestellten bildlich festzuhalten.
Weltweit sind nur zwei von Dürer selbst für den Tiefdruck bearbeitete Metallplatten erhalten: Eine radierte Eisenplatte, die das Motiv "Christus am Ölberg" zeigt und die 1849 mit dem Nachlass des Bamberger Sammlers Joseph Heller in den Bestand der damals noch Königlichen Bibliothek (heute Staatsbibliothek) Bamberg überging, sowie die Kupferplatte mit dem Melanchthon-Bildnis, die bereits seit spätestens 1843 im Inventar des Kupferstichkabinetts Gotha nachweisbar ist. Letztere stammt aus der Privatsammlung von Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Nach seinem Tod 1804 fand man sie, laut einem Inventareintrag aus dem Jahr 1843, im "Tischkasten" des Herzogs (Information Friedenstein Stiftung Gotha).
Bereits Heller hatte darauf verwiesen, dass man den Stich "sehr häufig in neuen Abdrücken" finde (vgl. Heller Dürer 1827 II, S. 527). Ein Jahrhundert später hielt Joseph Meder fest, dass "nach der in Gotha erhaltenen und gerahmten, wieder polierten und brauchbar gemachten Platte" Abzüge ausgegeben wurden (vgl. Meder 1932, S. 113, unter Nr. 104), was im jüngsten Werkverzeichnis von Dürers Kupferstichen und Radierungen reproduziert wurde (vgl. Schoch/ Mende/ Scherbaum I, S. 241, Nr. 101).
S. 241, unter Nr. 101