· 1493 · Ad ·
In der Miniatur auf Pergament gibt Dürer 1493 während seiner Gesellenwanderung den jungen Christus mit Weltkugel wieder. Im angeschnittenen Bildraum ragt der kleine Christus bekrönt vom Strahlenkranz und mit weißem Leinenhemd über die Nische mit seinem Oberkörper hinaus und rückt so unmittelbar an die Betrachter*innen heran. Die Weltkugel hält er dabei spielerisch wie einen Ball in seinen Händen. Das einfassende, umlaufende grüne Astwerk ist inzwischen stark abgerieben.
Das Bild gilt allgemein seit Friedrich Winkler als Neujahrsgruß (vgl. Winkler 1928, S. 408). Laut Joseph Meder wurde am unteren Rand ein Streifen mit einem entsprechenden Glückwunsch abgeschnitten (vgl. Meder 1912, S. 191). Als Neujahrsgruß wurden ähnliche Bildmotive des Christus als Salvator Mundi, gerade in der Druckgrafik im 15. Jahrhundert, vielfältig verbreitet. Außergewöhnlich ist jedoch Dürers lebensnahe Darstellung des Kindes. So erinnert die Kugel als Spielball nur noch entfernt an die Weltkugel des Salvator Mundi und nur entfernt verweisen seine Attribute gemäß der Bildtradition auf seine Rolle als Verkündiger des beginnenden Jahres.
Da es sich bei der Zeichnung um ein Einzelstück handelt, vermutet Heinz Widauer die Adressierung an einen konkreten, wenn auch unbekannten Empfänger (vgl. Ausst.-Kat. Wien 2003, S. 132). Dagegen spricht sich Julia Zaunbauer aus, die die Miniatur als Teil von Dürers Vorlagensammlung verortet, die in Dürers Werkstatt verblieb und später in den Besitz Willibald Imhoffs gelangte (vgl. Ausst.-Kat. Wien 2019, S. 85).
S. 9, Nr. 31
S. 118, Nr. 3
S. 188, 1493/27
S. 249