Das Gemälde zeigt eine halbfigurige Madonna mit dem nackten Jesuskind auf dem Schoß, die Dürer hinter einer Brüstung samt angedeutetem Trompe-l’oeil-Rahmen vor einem Torbogen platziert. In einer innigen Geste schauen sich Mutter und Kind an, während Christus mit seiner linken Hand die linke Hand der Maria ergreift. Format und Thema zeichnen das Gemälde dabei als typisches Andachtsbild der Zeit aus (vgl. Große 2012, S. 326).
Die Tafel wurde 1961, gleichzeitig mit der „Maria mit dem Kind vor einer Landschaft“ (vgl. Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg, M. 420), als Werk Dürers durch Roberto Longhi in die Forschung eingeführt (vgl. Longhi 1961). Bis zu diesem Zeitpunkt blieb das Gemälde unbekannt, obwohl es sich bereits seit der Gründung 1774 im Kapuzinerkloster in Bagnacavallo befand.
Die Zuschreibung des unsignierten und undatierten Bildes an Dürer wird von der Forschung überwiegend akzeptiert. Peggy Große zweifelt, ebenso wie bei der „Madonna mit dem Kind vor einer Landschaft“, die Autorschaft Dürers aufgrund der mit Infrarotreflektografie untersuchten Unterzeichnung an. Beide Tafeln zeigen in den detaillierter unterzeichneten Partien verschattete Zonen mit einer ganzflächigen und dichten Unterzeichnung, die sich in dieser Weise in keinem weiteren Dürer-Gemälde findet (vgl. Große 2012, S. 242; dazu ausführlich ebd. S. 237-238). Ungewiss bleibt bis heute ebenfalls die Datierung des Gemäldes, die in der Literatur vielfach diskutiert wurde (vgl. ebd.). Kompositorische und motivische Parallelen ergeben sich z. B. zu Dürers um 1495 entstandenen Pinselzeichnung der "Maria mit Kind in einer Nische" (vgl. Köln, Wallraf-Richartz-Museum, Inv.-Nr. Z 130).
S. 22, 98-99