K T A T D T D T S T W T
Das Porträt der unbekannten jungen Frau war ursprünglich zusammen mit dem „Bildnis einer jungen Frau mit offenem Haar“ (Frankfurt am Main, Städel Museum, Inv.-Nr. 937) als Doppelbildnis konzipiert, bis die beiden Tüchlein im 19. Jahrhundert getrennt wurden.
Dürer gibt die Porträtierte in Halbfigur in einem Innenraum mit Blick durch ein Fenster in eine Landschaft auf der linken Seite wieder. Dabei stützt sie sich, die die Betrachter*innen direkt anblickt, auf eine Brüstung im Vordergrund und hält eine Distel und Stabwurz in den überkreuzten Händen. Im Kontrast zum schlichten Frankfurter Pendant trägt die junge Frau eine prunkvoller Flechtfrisur und aufwändige Kleidung. Diese entsprachen, betrachtet man eine in Kopie erhaltenen Zeichnung einer „Nürnberger Jungfrau im Tanzkleid“ von 1500 (vgl. Basel, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 1959.105), den Nürnberger Konventionen der Zeit. Die ursprüngliche Inschrift auf dem Zettel in der rechten oberen Ecke lässt sich nur über eine Gemäldekopie in Leipzig (vgl. Leipzig, Museum der bildenden Künste Leipzig, Inv.-Nr. G 1708) und Radierung von Wenzel Hollar von 1646 rekonstruieren: „Also pin ich gesstalt / Jn achcehe Jor altt / 1497“ (vgl. Ausst.-Kat. Frankfurt am Main/ Leipzig/ Berlin 2006, S. 72-73).
Das Bildnis wurde unter verschiedensten Gesichtspunkten gerade im Zusammenhang mit dem Frankfurter Gegenstück in der Literatur vielfach kontrovers diskutiert. Während die ältere Forschung in dem Tüchlein häufig eine Kopie sah, wird seine Authentizität heute nicht mehr bezweifelt. Ernst Buchner wies zudem darauf hin, dass die Technik der Tüchleinmalerei für eine Kopie äußerst ungewöhnlich wäre (vgl. Buchner 1953, S. 150).
Ungeklärt bleibt die Identität der Porträtierten. Als Katharina Fürleger wurde die junge Frau seit der ersten Erwähnung des Bildes bei Georg Wolfgang Panzer (vgl. Panzer 1790, S. 70) häufig tituliert, was durch Albert Gümbel revidiert werden konnte (vgl. Gümbel 1928a). Bodo Brinkmann vermutete unter Einbezug der Inschrift, es könne sich um Dürers Schwester Agnes Dürer handeln (vgl. Ausst.-Kat. Frankfurt am Main/ Leipzig/ Berlin 2006, S. 72).
Auch eine ikonografische Deutung bleibt unklar. Aufgrund der freizügigen Kleidung, dem eindringlichen Blick und der Pflanzensymbolik von Männertreu und Stabwurz wurde häufig der erotische Charakter der Darstellung betont, gerade im Kontrast zur frommen Darstellung der jungen Frau im Frankfurter Pendant.
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S. 147, Nr. 46