Prospect des Platzes bey dem Thiergärtner Thor, in Nürnberg. VÜe de la Place aupres de la Porte dite au Parc: à Nuremberg
1. Das Thiergärtner Thor. 2. der Weg nach dem Milchmarckt. 3. der Weg in die Zißelgassen. 4. der neue Thurn.
Delsenbach. fecit.
gedruckte Einfassungslinien
Johann Adam Delsenbach radierte zwei Versionen des Tiergärtnertorplatzes. Während die erste Ansicht mit der Jahreszahl 1714 bezeichnet ist (vgl. "Prospekt des Platzes beim Tiergärtnertor in Nürnberg"), blieb die zweite Darstellung undatiert . Bauliche Veränderungen der Gebäude entlang der Stadtmauer lassen vermuten, dass die undatierte Version später entstand. Die Darstellung aus leicht erhöhter Perspektive zeigt den Platz entlang der nördlichen Stadtbegrenzung mit dem stadtauswärts führenden Tiergärtnertor am rechten Bildrand. Links der Bildmitte ist das Albrecht-Dürer-Haus zu erkennen, direkt dahinter erhebt sich der runde Neutortur. Zahlreiche Personen und Tiere tummeln sich auf dem Platz: Stadtbewohner gehen ihrer alltäglichen Arbeit nach, ein Vierspänner fährt in Richtung Tor, Kinder ärgern einen Ziegenbock. Rechts unten signierte der Künstler seine Arbeit. Eine Inschrift in Deutsch und Französisch benennt zudem den dargestellten Ort. Vier Ziffern, die in der Legende unterhalb erläutert werden, kennzeichnen die beiden stadteinwärts führenden Gassen und die Türme.
Das Dürer-Haus ist im Gegensatz zu der Version von 1714 nicht separat ausgezeichnet. Die Perspektive ist bei beiden Radierungen identisch, Staffagefiguren und den Hintergrund jenseits der Stadtmauer variieren. In der zweiten, späteren Darstellung wurden die an die Stadtmauer gebauten Holzverschläge teils von gemauerten Gebäuden abgelöst. Anlass für die Radierungen waren Delsenbachs 1715 erstmals herausgegebenen "Nürnbergischen Prospekte" – eine Reihe von Stadtansichten, welche er 1716 und 1725 um weitere Ausgaben ergänzte. Womöglich musste in diesem Zeitraum die Druckplatte der ersten Version ersetzt werden, sodass Delsenbach die Ansicht erneut in aktualisierter Form radierte. Ein in Nünberg verwahrtes gebundenes Exemplar der "Prospekte" beinhaltet indes beide Radierungen, direkt hintereinander eingebunden (vgl. Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Sign. 1257).