zw ach das münst[er]
Während seiner berühmten Reise in die Niederlande zeichnete Dürer nicht nur zahlreiche seiner Begegnungen, sondern auch Sehenswürdigkeiten. Forschende nehmen an, dass Dürer unter anderem ein bereits für Silberstiftzeichnungen präpariertes, später aufgelöstes Buch mit sich führte, um seine Eindrücke spontan festzuhalten (vgl. Nesselrath 2021, S. 229).
1895 konnte eine weder datierte noch monogrammierte Zeichnung aus Privatbesitz für das British Museum erworben werden, auf die Dürer oben rechts eigenhändig notiert hat: "zw ach das münst[er]". Der Künstler zeigt das Münster von der Nordseite, eine Ansicht, für die er wohl aus einem Fenster des Rathauses blickte (vgl. Tietzes 1938 II, S. 13, Nr. 767).
Der Entstehungszeitpunkt der Zeichnung kann mithilfe des sogenannten Tagebuchs der niederländischen Reise eingegrenzt werden, das zwar im Original verschollen, doch durch zwei frühneuzeitliche Abschriften überliefert ist. Demzufolge hielt sich Dürer zwischen dem 10. und 23. Oktober 1520 in Aachen auf (vgl. Rowlands 1993 I, S. 99). Er notierte: "Ich hab unser Frauen Kirchen mit weiteren umbschweiff conterfet." (z.B. Bamberg, Staatsbibliothek, Sign. JH.Msc.Art.1#1, S. 26, Z.1-2) Am letzten Tag seines Aufenthalts wurde Karl V., den Dürer um die Erneuerungen seiner Privilegien bitten sollte, dort gekrönt (vgl. Rowlands 1993 I., S. 99).
S. 13, Nr. 767
S. 140, Nr. 1485
S. 1946, 1520/22
S. 59