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Dürer porträtiert in diesem Tafelbildnis von 1499 Elsbeth Tucher, geb. Pusch aus der bedeutenden Nürnberger Patrizierfamilie im Alter von 26 Jahren, wie die wohl nachträglich von fremder Hand hinzugefügte Inschrift am oberen rechten Bildrand angibt. Als nach links gewandtes Schulterstück gibt Dürer die Porträtierte in aufwändig gestalteter Kleidung wieder, samt prachtvoller Haube mit besticktem Haubenband, einem reich gefältelten, weißen Hemd samt Goldkette darunter und einem weit ausgeschnittenen, dunklen Kleid, das von einer verzierten Gewandschließe gehalten wird. Dürer platziert sie in einem angeschnittenen Innenraum vor einem Brokatvorhang auf der rechten Seite und einem Fenster, das einen Ausblick in eine hügelige Landschaft bietet, auf der linken Seite. In der Hand am linken unteren Bildrand hält sie einen Goldring mit bunten Schmucksteinen. Ring und Monogramm der Gewandschließe verweisen auf Elsbeths Ehemann Nikolaus Tucher. Auch von ihm fertigte Dürer ein Bildnis an, das ursprünglich mit dem Bildnis seiner Ehefrau ein Diptychon bildete, heute jedoch verschollen ist. Wann die Bildnisse voneinander getrennt wurden, ist nicht bekannt. Eine Miniatur aus dem sogenannten "Großen Tucherbuch" (vgl. Nürnberg, Stadtarchiv, E29/III, 258, fol.76r) könnte ansatzweise Aufschluss über das verschollene Bildnis geben. Anhaltspunkte zur Wirkungsweise des Doppelbildnisses geben die beiden Auftragsbildnisse von Nikolaus‘ Bruder Hans Tucher und seiner Ehefrau Felicitas Tucher, die Dürer ebenfalls 1499 malte (vgl. Weimar, Klassik Stiftung, Inv.-Nr. G 31 und G 32). Das Bildnis der Elsbeth Tucher reiht sich damit in eine Serie von gemalten Auftragsarbeiten der Tucher ein, die die memoria der Nürnberger Patrizierfamilie sichern sollten (vgl. Ausst.-Kat. Nürnberg 2012, S. 346).
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