1520 XXIIII
sant michell zw
antorff
Während seiner berühmten Reise in die Niederlande zeichnete Dürer nicht nur zahlreiche seiner Begegnungen, sondern auch Landschaften und Stadtansichten. Forschende nehmen an, dass er ein bereits für Silberstiftzeichnungen präpariertes, später aufgelöstes, Buch mit sich führte, um seine Eindrücke spontan festzuhalten (vgl. Nesselrath 2021, S. 229).
Im Bestand des Musée Condé in Chantilly ist seit 1886 eine Silberstiftzeichnung, die ein Brustbild neben einer Abteikirche zeigt. Während oberhalb der Person, die von Kunsthistoriker:innen sowohl als junger Mann als auch als junge Frau beschrieben wurde (vgl. Strauss 1974 IV, S. 1960, 1520/29), die Jahreszahl "1520" und in römischen Ziffern vermutlich das Alter steht, notierte der Künstler rechts des Kirchturms die Angabe "sant michell zw antorff". Durch das sogenannte Tagebuch der niederländischen Reise, das zwar im Original verschollen, doch durch zwei frühneuzeitliche Abschriften überliefert ist, kann der Besuch Dürers von St. Michael in Antwerpen nachgewiesen werden (z.B. Bamberg, Staatsbibliothek, Sign. JH.Msc.Art.1#1, S. 12, Z. 16-18).
Von dem Blatt mit dem Brustbild sowie der im 19. Jahrhundert zerstörten Abteikirche St. Michael ist auch die Kehrseite verwendet worden. Dort zeichnete Dürer eine "Ansicht von Bergen". Die Zeichnungen der Vorder- und Rückseite sind in den gängigen Werkverzeichnissen unter jeweils eigener Nummer geführt (vgl. Winkler IV, S. 17, Nr. 768 und 769; Strauss 1974 IV, S. 1960, 1520/29 und S. 1962, 1520/30).
S. 15, Nr. 775
S. 141, Nr. 1490
S. 1960, 1520/29