Felitz ⋅ hans ⋅ tucherin ⋅ 33 jor ⋅ alt ⋅ SALVUS ⋅ 1499
In diesem Gemälde auf Lindenholz porträtiert Dürer Felicitas Tucher (geb. Rieter), Mitglied der Nürnberger Patrizierfamilie, im Jahr 1499 im Alter von 33 Jahren, wie die Inschrift am oberen rechten Bildrand angibt. Ursprünglich war die Tafel wohl durch Scharniere mit dem Bildnis von Felicitas' Ehemann Hans Tucher (vgl. Weimar, Klassik Stiftung, Inv.-Nr. G 31) verbunden und bildete die rechte Seite des Bildnisdiptychons. Heute nicht mehr gemeinsam montiert, waren die Tafeln wohl nie voneinander getrennt – ist die gemeinsame Provenienz beider Tafeln seit 1824 in Weimar nachweisbar (vgl. Ausst.-Kat. Nürnberg 2012, S. 355).
Als nach links zu ihrem Pendant gewandtes Schulterstück gibt Dürer die Porträtierte in aufwändig gestalteter Kleidung wieder, samt gestreifter Haube, einem reich gefältelten, weißen Hemd samt Goldkette darunter und einem weit ausgeschnittenen, dunklen Kleid, das von einer verzierten Gewandschließe gehalten wird. Die darin eingelassenen Initialen und die Nelke in der rechten Hand der Porträtierten verweisen zusätzlich auf ihren Ehemann und die Treue zu diesem. Wie im Pendant platziert Dürer auch Felicitas Tucher vor einem reich verzierten, dunkelroten Brokatvorhang und einem Fensterblick in eine weite, begrünte Landschaft mit Bergen, Wasser und Wegen. Der Vorhang imitiere, so Dagmar Hirschfelder, Stoffe aus dem nördlichen Italien der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wo Hans in seiner Jugend ausgebildet wurde und wohin die Nürnberger Kaufmannsfamilie Handelsbeziehungen pflegte (vgl. Hirschfelder 2012, S. 111). Im gewählten Bildausschnitt, der Komposition, der Tracht und dem Brokatvorhang, ergeben sich deutliche Parallelen zum Kasseler "Bildnis der Elsbeth Tucher" (vgl. Kassel, KHK, GK 6), das Dürer ebenfalls 1499 im Auftrag von Nikolaus Tucher, Elsbeths' Ehemann, anfertigte. Dieses war mit dem Bildnispendant des Nikolaus Tucher wiederum ebenfalls als Bildnisdiptychon konzipiert, das heute jedoch verschollen ist.
S. 74
S. 41
S. 278, Nr. FW6
S. 346-348; 355, Kat. Nr. 65