Während seiner berühmten Reise in die Niederlande zeichnete Dürer nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch zahlreiche seiner Begegnungen. Forschende nehmen an, dass er hierfür ein bereits für Silberstiftzeichnungen präpariertes Skizzenbuch mit sich führte, um Eindrücke spontan festhalten zu können (vgl. Nesselrath 2021, S. 229). Oftmals tragen die einzelnen Blätter, die heute diesem nachträglich aufgelösten Büchlein zugerechnet werden, mehrere Zeichnungen ohne inhaltlichen Zusammenhang. Beispielsweise teilen sich ein "Thronender Bischof und [das] Brustbild eines Mannes mit Pelzmütze" ein querformatiges Blatt, das 1877 durch Friedrich Lippmann in die Sammlung kam.
Während der als Brustbild porträtierte junge Mann auf der rechten Seite nicht identifiziert werden konnte, interpretierten Forschende den Bischof wiederholt in Zusammenhang mit einer Nennung im sogenannten Tagebuch der niederländischen Reise. In dem zwar im Original verschollenen, doch durch zwei frühneuzeitliche Abschriften überlieferten Buch steht: "Ich hab der grösten Reichsten Kauffleuth Zunfft Zu antorff ein sizendten S. Niclas verehret" (z.B. Bamberg, Staatsbibliothek, Sign. JH.Msc.Art.1#1, S. 40, Z. 8-9). Dürer entwarf nachweislich ein Messgewand mit einem "Sinter Claes" für die Antwerpener Kaufmannsgilde (vgl. Unverfehrt 2007, S. 134). Moritz Thausings Spekulation, dass mit der Zeichnung des thronenden Bischofs womöglich die Skizze für den Nikolaus-Altar der Liebfrauenkirche in Antwerpen erhalten sei (vgl. Thausing 1876, S. 428), wurde gelegentlich aufgegriffen. Hans Rupprich meinte sie sei "möglicherweise eine Erinnerungskopie Dürers an seinen Entwurf" (vgl. Rupprich 1956, S. 193, Anm. 498).
Auch die Kehrseite des Blattes wurde verwendet. Dort zeichnete Dürer einen "Liegenden Hund, Hunde- und Löwenkopf". Die Zeichnungen der Vorder- und Rückseite sind in den gängigen Werkverzeichnissen unter jeweils eigener Nummer geführt (vgl. Winkler IV, S. 19, Nr. 776 und S. 20, Nr. 777; Strauss 1974 IV, S. 2016, 1521/10 und S. 2018, 1521/11).
S. 22, Nr. 801
S. 142, Nr. 1502
S. 2016, 1521/10