A D
Dürer porträtiert hier um 1506 eine unbekannte Frau mit Hochsteckfrisur und verzierter Tracht als zum linken Bildrand gewandtes Brustbild. Das Gemälde der Unbekannte gibt der Forschung noch immer Fragen auf. So ist sie vor einem im unteren Drittel dunkel- im oberen Bereich hellblauen Hintergrund platziert – ein Ausblick auf das Meer –, dessen Authentizität von Hans Tietze/ Erika Tietze-Conrad und Erwin Panofsky bezweifelt wurde (vgl. Panofsky 1948 II, S. 20; Tietzes 1937 II, S. 37). Eduard Flechigs These, das Bildnis müsse aufgrund der Ausrichtung der Porträtierten nach links und der fehlenden Datierung und Signatur (das Monogramm in der linken oberen Ecke wurde wohl von fremder Hand hinzugefügt), ein männliches Gegenstück gehabt haben (vgl. Flechsig I, S. 408), bleibt spekulativ.
Einige Forschende vermuteten aufgrund der Initialen „A D“ auf der Borte des Halsausschnittes des Kleides, dass es sich um Dürers Frau Agnes Dürer handeln könnte, was sich im direkten Vergleich mit Porträtzeichnungen von Agnes nur schwer bestätigen lässt. Aufgrund ihrer charakteristischen Tracht ist die Porträtierte vielmehr als Venezianerin zu erkennen, die Dürer wohl bei seiner zweiten Venedigreise malte, wofür auch das verwendete Pappelholz spricht. Fedja Anzelewsky vermutet, dass Dürer das undatierte Gemälde nach Abschluss der Arbeiten am „Rosenkranzfest“ (vgl. Prag, Národní galerie, Inv.-Nr. O 1552) im Herbst 1506 anfertigte (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 204). Bereits im Jahr 1505 hielt Dürer eine weitere Venezianerin in einem Gemälde fest (Wien, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 6440).
S. 36, Nr. 342
S. 287, Nr. 34