1507
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Im angeschnittenen Bildraum vor einem schwarzen Hintergrund blickt den Betrachter:innen in diesem signierten und datierten Gemälde von 1507 eine unbekannte junge Frau mit blonden Locken, tief ausgeschnittenem roten Kleid und rotem Barett samt Schmuckstück aus Rubin und Perle frontal entgegen. In der Forschung wurde vielfach diskutiert, ob Dürer das Bildnis noch während seiner zweiten Italienreise in Venedig (vgl. u.a. Friedländer 1921, S. 118; Tietzes 1937 II, S. 36) oder kurz nach seiner Rückkehr nach Nürnberg gefertigt hat, wobei gerade die jüngere Literatur aufgrund der Tracht der Dargestellten für eine Entstehung in Nürnberg plädiert (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 211; Ausst.-Kat. Rom 2007, S. 131).
Die Provenienz des Gemäldes ist nicht eindeutig geklärt. Erstmals erwähnt wird das Gemälde im Inventar des Nürnberger Patriziers Willibald Imhoff von 1573 unter der Nr. 21 als „frauen pild mit einem parett, hat A. Dürer olifarb gemalet 1507 pro“ (vgl. Budde 1996, S. 172, G/14). 1633 wurde das Gemälde laut "Geheimbüchlein" der Familie Imhoff tituliert als Bildnis eines Jünglings für 160 Reichstaler an den in Nürnberg ansässigen Amsterdamer Kunsthändler Abraham Blommart verkauft, der es für einen anonymen Auftraggeber erwarb (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 212; Budde 1996, S. 109, 172). Danach verliert sich die Spur und das Gemälde taucht erst 1899 im Londoner Kunsthandel wieder auf und gelangt im selben Jahr als Geschenk in die Berliner Gemäldegalerie.
Zeitgenössische Quellen berichten zudem von Kopien des Gemäldes. So wird 1659 eine Kopie unter passender Beschreibung als „Ein Contrafait von Öhlfarb auff Hollz eines jungen Mägdels mitt einem rothen Käppel auf dem Haupt, daran ein Kleinodt von Robin mit einem Perl hängt. Copia nach Albrecht Dürer“ unter der Nr. 741 im Verzeichnis der Sammlung des Erzherzogs Leopold Wilhelm von Österreich erwähnt (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 112). Auch Christoph Gottlieb von Murr und später Joseph Heller berichten von einer Kopie in der Sammlung Ebner von Eschenbach (vgl. Murr 1778, S. 446; Heller 1827 I, S. 226, Nr. q), wohl um 1630/ 1635 gemalt von dem Nürnberger Maler Peter Anton Cordüer, die nach Wien verkauft wurde und sich heute in der Akademie der Bildenden Künste befindet (Inv.-Nr. unbekannt, vgl. Best.-Kat. Berlin 1985, S. 66 samt Abb.).
Wiederholt wurde zudem die Ähnlichkeit zu Dürers Zeichnung "Kopf eines Knaben" (Washington D.C., National Gallery of Art, Inv.-Nr. 2006.11.12) hervorgehoben (vgl. Anzelewsky 1991 I, S. 212).
S. 36, Nr. 339
S. 211, Nr. 102
S. 287, Nr. 35