Albertus durer germanus
faciebat post virginis
partum 1506 AD
Dürer hat dieses signierte und datierte Tafelgemälde der "Madonna mit dem Zeisig" laut Inschrift auf dem Zettel am unteren linken Bildrand während seiner zweiten Italienreise in Venedig gefertigt und anschließend mit nach Nürnberg gebracht, wie wohl auch aus einer Erwähnung bei Joseph Heller hervorgeht (vgl. Heller 1827 I, S. 229, Nr. 6). In zeitlicher Nähe zum „Rosenkranzfest“ (Prag, Nationalgallerie, Inv.-Nr. 0 1552) entstanden, zeigt auch dieses Gemälde eine Muttergottes mit dem Rosenkranz, mit welchem Maria in diesem Gemälde von zwei Cherubim bekrönt wird. Sie thront umgeben von Johannes dem Täufer zu ihrer Linken, der ihr einen Strauch Maiglöckchen reicht und einem Engel, der den Täuferstab hält, als Himmelskönigin in einer weitläufigen Landschaft mit Ruinen und dem Ausblick in die Berge. Das nackte Christuskind sitzt auf einem Kissen im Schoß der Maria, hält in seiner rechten Hand einen Saugbeutel und blickt gebannt auf den namensgebenden Zeisig, der auf seinem linken Arm sitzt. Die Darstellung ist demnach mit zahlreichen Attributen der Gottesmutter und Anspielungen auf die heilsgeschichtlichen Erlösung durch Christus ausgestattet (vgl. hierzu ausführlich Best.-Kat. Berlin 1985, S. 64).
Die Provenienz des Gemäldes bleibt bis ins 19. Jahrhundert hinein ungewiss. Im Verzeichnis der Gemälde, die Kaiser Rudolf II. 1588 aus dem Besitz der Familie Imhoff zum Kauf angeboten wurden, wird ein nicht näher beschriebenen Marienbildnis erwähnt, das entsprechend nicht eindeutig als "Madonna mit dem Zeisig" identifiziert werden kann (vgl. Budde 1996, S. 197, G/28). Gesichert taucht das Gemälde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Erwerb durch Schomberg Henry Kerr, den 9. Marquis of Lothian, in Dalkeith wieder auf.
Verschiedene Zeichnungen wurden in der Forschung als mögliche Studien für das Gemälde herangezogen, darunter der „Kopf einer jungen Frau“ (Wien, Albertina, Inv.-Nr. 3100), eine Draperiestudie, deren linker Teil sich im Hemd des Christusknaben wiederfindet (vgl. Wien, Albertina, Inv.-Nr. 3107), ein „Thronender Christusknabe“ (vgl. Bremen, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 1851/8 Z), sowie „Drei Kinderköpfe“ in der Bibliothèque Nationale de France in Paris, von denen der rechte Kopf dem Cherubim rechts der Maria ähnelt.
S. 32, Nr. 326
S. 202, Nr. 94
S. 283, Nr. 30