1518
AD
Das signierte und datierte Gemälde zeigt eine zum linken Bildrand gewandte, den Blick nach oben richtende, betende Maria, die Dürer 1518 ausführte. Es bildete laut überwiegender Forschungsmeinung wohl die rechte Tafel eines Diptychons. Die entsprechend zugehörige, heute verschollene linke Tafel, zeigte laut Forschenden als Adressaten des Gebetes der Maria wohl einen Christus als segnenden Erlöser oder als Schmerzensmann. Eine solche Kombination zweier von Dürer gemalter Bildtafeln von Maria und Christus erwähnen sowohl Johann Ferdinand Roth als auch Joseph Heller in der Sammlung des Kardinals Gualtieri in Rom. Ob es sich dabei um das Berliner Marienbildnis handelt, kann nicht gesichert beantwortet werden. Gesichert ist die Provenienz des Gemäldes erst mit dem Verkauf aus dem Besitz von Lauredana Gatterburg-Morosini im Jahr 1849 an Wilhelm von Bode, der das Gemälde anschließend der Berliner Gemäldegalerie schenkte.
Christof Metzger wies jüngst auf die originale Rahmenaufschrift mit Text aus der Vulgata hin, in dem ohne jeden Hinweis auf den Erlöser die „mater pulche dilectionis“ („Mutter der reinen Liebe“) allen Gläubigen Gnade und Hoffnung verspricht und es sich eben nicht zwingend um eine Schmerzensmutter handelt, die Christus als Pendant benötigt (vgl. Metzger/ Zaunbauer/ Schütz 2025, S. 314, Nr. 56).
In Venedig befindet sich in der Gallerie dell‘Accademia noch eine gleichformatige, in Kupfer gemalte Kopie von Dürers Marienbildnis, wohl aus dem 17. Jahrhundert (vgl. ebd.).
S. 252, Nr. 138
S. 314, Nr. 56