Die querformatige Federzeichnung "Christus am Ölberg" konnte 1978 in einer Versteigerung von Sotheby's London durch Walter Feilchenfeldt für die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe erworben werden (vgl. Ausst.-Kat. Aachen 2021, S. 622, Kat.-Nr. 49). Bis dahin war sie in Privatbesitz und wurde vergleichsweise wenig von der Dürer-Forschung berücksichtigt.
Der Künstler zeigt Christus in der Nacht vor seiner Kreuzigung im Garten Gethsemane und entwirft dabei ein mehrteiliges Narrativ. Während seine Jünger Jakobus, Johannes und Petrus schlafen, betet er und wirft flehentlich die Arme gen Himmel. Dabei erscheint ihm ein Engel mit dem Kreuz. Zentral im Hintergrund nähern sich bereits Kriegsknechte.
Die eigenhändig in das Jahr 1520 datierte Zeichnung entstand während Dürers berühmter Reise in die Niederlande. Forschende vermuteten, dass ihn die Prozessionen in Antwerpen anregten, sich erneut künstlerisch mit Passionsszenen auseinanderzusetzen (vgl. Ausst.Kat. Frankfurt am Main 2013, S. 358). Zudem wird das Blatt mit einer Textstelle im sogenannten Tagebuch der niederländischen Reise in Zusammenhang gebracht (vgl. Unverfehrt 2007, S. 169). Das Tagebuch, das zwar im Original verschollen, doch durch zwei frühneuzeitliche Abschriften überliefert ist, nennt "2 Ölberg auff 5 halb Pogen gerissen" (z.B. Bamberg, Staatsbibliothek, Sign. JH.Msc.Art.1#1, S. 52, Z.16).
Ein Kopie der Zeichnung ist seit 1671 im Musée du Louvre in Paris (vgl. Inv.-Nr. 18606, Recto).
S. 21, Nr. 844
S. 18, Nr. 789
S. 1980, 1520/39