1521
AD
Die querformatige Federzeichnung "Christus am Ölberg" konnte 1850 durch Johann David Passavant in London für das Städelsche Kunstinstitut erworben werden (vgl. Ausst.-Kat. Aachen 2021, S. 624, Kat.-Nr. 66).
Der Künstler zeigt Christus in der Nacht vor seiner Kreuzigung im Garten Gethsemane. Während seine Jünger Jakobus, Johannes und Petrus schlafen, liegt er bäuchlings auf dem Boden, ohne dass die Betrachter:innen sein Gesicht sehen können. Oberhalb links erscheint der Engel mit dem Kelch. Diese eigentümlich Motivvariante verwendete Dürer bereits 1508/ 1509 in dem Ölberg-Holzschnitt seiner "Kleinen Passion". Tietzes bezeichnen die Haltung der Christusfigur für die deutsche Kunst des 15. Jahrhunderts als "geläufig" (Tietzes 1938 II, S. 26, Nr. 820). Friedrich Winkler lokalisiert die Inspiration dafür in Italien (vgl. Winkler IV, S. 29, Nr. 798).
Die eigenhändig in das Jahr 1521 datierte Zeichnung entstand während Dürers berühmter Reise in die Niederlande. Forschende vermuteten, dass ihn die Prozessionen in Antwerpen anregten, sich erneut künstlerisch mit Passionsszenen auseinanderzusetzen (vgl. Ausst.Kat. Frankfurt am Main 2013, S. 358). Zudem wird das Blatt mit einer Textstelle im sogenannten Tagebuch der niederländischen Reise in Zusammenhang gebracht (vgl. Unverfehrt 2007, S. 169). Das Tagebuch, das zwar im Original verschollen, doch durch zwei frühneuzeitliche Abschriften überliefert ist, nennt "2 Ölberg auff 5 halb Pogen gerissen" (z.B. Bamberg, Staatsbibliothek, Sign. JH.Msc.Art.1#1, S. 52, Z.16).
Rückseitig skizzierte Dürer Wappenentwürfe, an die er Farbangaben notierte.
S. 26, Nr. 820
S. 2036, 1521/20