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Die undatierte Tüchleinmalerei zeigt im angeschnittenen Bildraum das Brustbild einer Frau vor schwarzem Hintergrund, das aufgrund seines ikonografischen Typus wahrscheinlich als Studie des Kopfes der Maria zu identifizieren ist (vgl. Ausst.-Kat. 2012, S. 357-358). Wie häufig bei weiblichen Dargestellten in Dürers Gesamtwerk, wurde auch für dieses Bildnis teilweise seine Frau Agnes Dürer als Porträtierte vermutet (vgl. Pauli 1915, S. 74).
Vielfach wurde in der Forschung die Datierung des Bildes diskutiert, die zwischen 1496/ 1497 (vgl. Tietzes 1928 I, S. 38, Nr. 129) und 1520 (vgl. Panofsky 1948 II, S. 20, Nr. 102) variierte. Laut Walter Strauss brachte die Untersuchung mithilfe von Infrarotreflektografie unterhalb des Monogramms die Datierung 1503 oder 1505 zum Vorschein. Dies konnten die kunsttechnologischen Untersuchungen im Rahmen des Forschungsprojektes „Der frühe Dürer“ nicht belegen, dennoch hält Dagmar Hirschfelder die Datierung um 1503 stilkritisch für gerechtfertigt (vgl. Ausst.-Kat. Nürnberg 2012, S. 358), dem sich auch die Forschung seit den 1970er Jahren anschließt.
Immer wieder wurde die Beziehung zu den ebenfalls in Paris befindlichen Tüchleinmalereien zweier Knabenköpfe (vgl. Paris, BNF, Ausst.-Kat. Barcelona/ Paris 2003, Nr. 7; Nr. 8) angesprochen. Die kunsttechnologischen Untersuchungen zeigten jedoch anhand der Spannungslinien der Gewebe, dass diese nicht Fragmente ein und desselben Leinwandgemäldes sind und aufgrund des stilistischen Vergleichs und der unterschiedlichen Ausführung später als der Marienkopf entstanden sein müssen (vgl. Ausst.-Kat. Nürnberg 2012, S. 358). Auch wurden Gemeinsamkeiten mit der Kohlezeichnung „Kopf der Maria“ von 1503 in Berlin betont (vgl. Berlin, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. KdZ 56), die zudem ein ähnliches, schwach erkennbares Monogramm zeigt (vgl. Ausst.-Kat. Nürnberg 2012, S. 358).
S. 183, Nr. 77