Die weder datierte noch monogrammierte und wohl unvollendete Federzeichnung "Christus am Ölberg" konnte 1877 unter Friedrich Lippmann für das Berliner Kupferstichkabinett erworben werden. Sie gilt als eine von zahlreichen Auseinandersetzungen Dürers mit der Passion Christi.
Der Künstler zeigt Christus in der Nacht vor seiner Kreuzigung im Garten Gethsemane. Er liegt bäuchlings auf dem Boden, ohne dass die Betrachter:innen sein Gesicht sehen können. Oberhalb links des Heilands, der seine Arme zu beiden Seiten ausbreitet und damit die Form des Kreuzes suggeriert (vgl. hierzu Ausst.-Kat. Berlin 2023, S. 221, Kat.-Nr. 89), erscheint der Engel mit dem Kelch.
Diese eigentümlich Motivvariante verwendete Dürer bereits 1508/ 1509 in dem Ölberg-Holzschnitt seiner "Kleinen Passion" und wiederholte sie in einer querformatigen Federzeichnung (vgl. Frankfurt am Main, Städel Museum, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 695), die während seiner berühmten Reise in die Niederlande entstand, die er 1520/ 1521 unternahm. Bereits im Auktionskatalog von 1867 wird das Berliner Blatt mit der Frankfurter Zeichnung, die bereits 1850 in London für das Städelsche Kunstinstitut erworben werden konnte, in Verbindung gebracht (vgl. Aukt.-Kat. Montmorillon'sche Kunst- und Antiquitäten-Handlung, Wien, 11. bis 13. November 1867, S. 54, Nr. 322).
S. 94, A 245
S. 67, Nr. 561