Das undatierte sowie unsignierte Bildnis eines unbekannten jungen Mannes in roter Schaube wirft in der Dürer-Forschung bis heute Fragen auf. Das Gemälde wurde 1893 von Henry Thode als Werk Dürers in die Forschung eingeführt (vgl. Thode 1893, S. 205). Seither wird die Zuschreibung an Dürer, gerade auch wegen des erschwerend hinzukommenden, schlechten Erhaltungszustandes immer wieder angezweifelt. Auch die Identität des Porträtierten bleibt ungeklärt. Der Heiligenschein, der den Porträtierten als Heiligen Sebastian ausweisen soll, ist eine Übermalung aus späterer Zeit. Ursprünglich trug der unbekannte Mann ein Barett mit hoher Krempe und einem rechts herabhängenden vierpassförmigen Schmuckstück (vgl. Rekonstruktion bei Anzelewsky 1991 I, S. 163, Abb. 50). Henry Thode versuchte, den Dargestellten als den Nürnberger Patrizier Sebastian Imhoff zu identifizieren, den Dürer in seinen Briefen aus Venedig von 1506 erwähnte, die er an Willibald Pirckheimer schrieb (vgl. Thode 1893, S. 207; Rupprich 1956, S. 42). Auch die Datierung des Gemäldes bleibt ungeklärt und variiert zwischen kurz vor 1500 (vgl. Metzger/ Zaunbauer/ Schütz 2025, S. 263) und um 1506 (vgl. Winkler 1928, S. 42). Aufschluss hätte womöglich eine Inschrift auf dem am oberen rechten Bildrand platzierten, fingierten Zettel geben können, die jedoch nicht mehr erhalten ist.
S. 73, Nr. A 182
S. 163, Nr. 59
S. 277, Nr. FW 5
S. 476, Nr. S 137