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Titel
Grabinschrift des Priesters und Rechtsberaters M. Aurelius Carus und seiner Familie
Interne ID
HD049086
EDH
EDCS
TM ID
LUPA
AE
1998, 1001a
Datierung
171 AD – 200 AD
Inschriftentyp
Inschriftenträger
Material
Höhe
688
Beschreibung

Das Grabmal besteht aus insgesamt neun Quadern, Bekrönung mit Kapitell und Pinienzapfen gefunden im Januar 1999. Auf dem Obergeschoß befindet sich eine Reliefdarstellung einer sitzenden männlichen Figur, bärtig und in einer Toga(?), die vermutlich den Grabstifter darstellt. Seine Arme und Hände, die wahrscheinlich eine Schriftrolle trugen, sind nicht erhalten. Links von ihm steht ein Hahn oder eine andere Vogelart. Die Reliefnische wird von Pilastern mit Weinranken, die aus einem Kantharos wachsen, gerahmt. Oberhalb des Zwei-Faszien-Architravs gibt es ein Fries mit Weinkrügen. Am Hals eines Krugs ist ein antikes Warenetikett abgebildet, das hier zum ersten Mal in situ entdeckt wurde.

Provenienzgeschichte

Die sieben Bruchstücke des insgesamt 6,88m hohen Pfeilergrabmals wurden sukzessive ab dem Jahr 1998 entdeckt und gerieten ursprünglich vermutlich bei einem Hochwasser der Wertach in den Untergrund. Das Monument stand mit weiteren in einem Gräberfeld entlang der antiken Straßen nach Mainz und Weißenburg.

Auffindung
Fundort
Hofer Straße
Fundumstände
Baumaßnahmen
Funddatum
1998/1999
Text

D(is) M(anibus) Di Manes

M(arcus) Aur(elius) Car[us]M. Aurelius Carus (männlich, Augustalen) IIIIIIvirPriester Aug(ustalis) seviri Augustales ingen(uus) / pragm(aticus) Rechtsberater sibi et Faust(iniae) IucundaeFaustinia? Iucunda (weiblich) / uxori et AureliaeAurelia (weiblich) fil(iae) ceterisq(ue) / cognatis v(ivus) f(ecit)

Übersetzung

Den Totengöttern. Marcus Aurelius Carus, Mitglied des Sechsmännerkollegiums der Augustalen als Freigeborener, der Rechtsberater hat (das Grabmal) für sich und seine Ehefrau Faustinia Iucunda und seine Tochter Aurelia und seine übrigen Verwandten zu seinen Lebzeiten errichtet.

Kommentar

Die Inschrift befindet sich auf einem quaderförmigen Block, zwischen Untergeschoss mit Zwischengesims und Figurenobergeschoss eines Pfeilergrabmals. Z. 1 : D u. M stehen mit etwas größerer Buchstabenhöhe links und rechts auf dem Rahmen des Inschriftfeldes. Z. 2: AV-Ligatur. Z. 3: Faust(iniae) oder Faust(iae).

Ehmig: Das Grab ließ der sevir Augustalis Marcus Aurelius Carus, ein städtischer Priester zuständig für den Kaiserkult, zu Lebzeiten für sich, seine Frau Faustinia Iucunda, seine Tochter Aurelia und übrige Verwandte errichten. Seviri Augustales waren größtenteils Freigelassene, jedoch merkt Carus an, dass er einer der wenigen Freigeborenen war und zusätzlich den Beruf eines Rechtsberaters ausübte. Das Fries lässt auf eine gastronomische Tätigkeit des Grabstifters schließen. Eventuell trat er als pragmaticus der Händler auf oder leitete zusätzlich eine Gastwirtschaft. Carus wurde wie ein weiterer sevir Augustalis, der Treverer Sextus Attonius Privatus (https://sempub.ub.uni-heidelberg.de/ria/de/wisski/navigate/1061/view), wahrscheinlich nicht vor Ort geboren. Ein Grab et cognatis zu errichten, war eine fast ausschließlich stadtrömische Sitte.

Datierung: Bakker: Spätes 2. Jahrhundert; Ehmig: Die Abkürzung des seltenen Gentilnomen der Ehefrau, das Fehlen von Gentilnomen und Cognomen der Tochter auf einem sorgfältig bearbeiteten großen Monument eines Angehörigen einer herausgehobenen Gruppe in einer Stadt und der Name des Grabstifters deuten auf eine Entstehung ein bis zwei Jahrzehnte nach der constitutio Antoniniana hin. Die Verbindung von Ingenuität und Sevirat fügt sich in diesen Zeitraum ein.

Kakoschke: Der Name des Carus ist gängig und nicht genauer geographisch spezifizierbar. Faustinia besitzt ein Pseudo-Gentilnomen, abgeleitet vom lat. Faustus/Faustinus, und ist sicherlich eine Einheimische aus Raetien oder dem benachbarten keltischen Gebiet.

(EDH, JW)

TEI Datei
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Standard Text String
Dis Manibus Marcus Aurelius Carus IIIIIIvir Augustalis ingenuus pragmaticus sibi et Faustiniae Iucundae uxori et Aureliae filiae ceterisque cognatis vivus fecit
Bibliographie
Referenzen
AE 1998, 1001a.
Referenzen
L. Bakker, AJahrBay 1998, 85-86; Abb. 67. - AE 1998.
Referenzen
U. Ehmig - R. Haensch, Die erste bildliche Darstellung eines römischen Warenetiketts, in: AA 51 (2021), S. 246-248.
Referenzen
L. Bakker, Eine Gräberstraße der Oberschicht, in: AiD (2000), S. 38.
Referenzen
A. Kakoschke, Die Personennamen in der römischen Provinz Rätien, Hildesheim 2009, CN129, GN66.