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Titel
Grabinschrift des Priesters und Bergbaupächters P. Frontinius Decoratus
Interne ID
HD063776
EDH
EDCS
TM ID
LUPA
IIIF Manifest
https://edh.ub.uni-heidelberg.de/iiif/edh/HD063776.manifest.json
Datierung
201 AD – 250 AD
Inschriftentyp
Inschriftenträger
Trägertyp
Material
Höhe
68
Breite
212
Tiefe
83
Beschreibung

Der nach W-O ausgerichtete Sarkophag enthielt ein Skelett mit wenigen Grabbeigaben und zeigt Spuren früherer Öffnungen. Der Deckel gehörte nicht ursprünglich zum Sarkophag. Auf der Hauptseite zwei Eroten, die die tabula ansata halten.

Provenienzgeschichte

Der Sarkophag wurde 1963 unter einem nicht zugehörigen Deckel im Pfarrgarten entdeckt.

Aktueller Standort
Auffindung
Fundort
St. Ulrich und Afra
Funddatum
1963
Text

D(is) M(anibus) Di Manes et perpetuae securita[ti]⟧ / P(ublio) Frontinio DecoratoP. Frontinius Decoratus (männlich, Augustalen) IIIIIIvir(o) Priester Aug(ustali) seviri Augustales mancipi ferrariar(um) (Handels-)Güter Pächter von Bergwerken [...] et⟧ / ⟦provinciae Raetiae itemque⟧ / ⟦Daciarum trium⟧ /Iulia SperataIulia Sperata (weiblich) s(tolata) f(emina) coniugi carissimo⟧ / ⟦ f(aciendum) c(uravit) ⟧

Übersetzung

Den Totengöttern und der ewigen Sorgenfreiheit. Dem Publius Frontinius Decoratus, dem Mitglied des Sechsmännerkollegiums der Augustalen, dem Pächter der Bergwerke in --- und in der Provinz Raetia und ebenso in den drei Dakien. (Das Grab) hat Iulia Sperata, die Stolaträgerin, ihrem allerliebsten Ehemann errichten lassen.

Kommentar

Decoratus war als manceps im staatlichen Bergbauwesen der Provinzen Rätien, Noricum und der drei dakischen Donauprovinzen aktiv. Ob er seinen Haupssitz in Augsburg hatte, bleibt offen. Czysz: Diese eigentümliche Organisationsform der Gewinnabschöpfung über ein Pachtsystem war typisch für das Bergrecht der römischen Kaiserzeit. Die Aufgabe dieser Großpächter (mancipes, anderenorts conductores) bestand darin, die Abgaben (vectigalia) der vom Staat bzw. Kaiser vergebenen Konzessionen einzutreiben, die einzelne Bergwerkspächter dem Fiskus schuldeten.

Als Mitglied der seviri Augustales oblag es Decoratus, den Kaiserkult vor Ort zu organisieren und durchzuführen. Diese Priester waren meist Freigelassene.

Kakoschke: 'Frontinius' ist ein einheimisches Pseudo-Gentilnomen. Der Pächter kam sicherlich aus Raetien oder dem benachbarten keltischen Raum. Die Herkunft seiner Ehefrau ist unklar.

(JW)

TEI Datei
https://raw.githubusercontent.com/Romische-Inschriften-Augsburg-RIA/database/main/TEI/HD063776.xml
Standard Text String
Dis Manibus et perpetuae securitati Publio Frontinio Decorato IIIIIIviro Augustali mancipi ferrariarum et provinciae Raetiae itemque Daciarum trium Iulia Sperata stolata femina coniugi carissimo faciendum curavit
Bibliographie
Referenzen
A. Spieß, KJ 21, 1988, 291, Nr. 4; Abb. 20-22.
Referenzen
H.U. Nuber, in: J. Werner (Hrsg.), Die Ausgrabungen in St. Ulrich und Afra in Augsburg 1961-1968 (München 1977) 254-255 Nr. 11; Taf. 77.
Referenzen
H. U. Nuber, Ein Bergwerkspächter in Rätien. In: Die Römer in Schwaben. Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, Arbeitsheft 27 (München 1985) 130-131.
Referenzen
W. Czysz, Das Umland von Augsburg in der römischen Kaiserzeit, in: W. Pötzl, O. Schneider (Hg.): Vor- und Frühgeschichte, Augsburg 1996, S. 217.
Referenzen
A. Kakoschke, Die Personennamen in der römischen Provinz Rätien, Hildesheim 2009, GN71, CN633.